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Paradiesli im Mossji

Als 77 jähriger Projektverfasser denke ich an ein Haus, das als Vorbild für den Trend kleiner gesunder Häuser dient.

Mein Grossvater war ein begnadeter Zimmermann und baute im Gürbental Bauernhäuser, die alle heute noch stehen und bewohnt sind. Seine Kunst als nicht studierter Ingenieur Häuser auf einer Schiefertafel so zu berechnen, dass sie für beinahe ewig halten, beeindruckt mich heute mehr denn je. An Christian Hänni, geb. 28.12.1876, gest. 04.08.1957 erinnere ich mich als Kind und an wenige Begebenheiten. Er war ein robuster Mann mit einer kräftigen Stimme und er hatte einen langen weissen Bart und eine Glatze. Er wohnte in einem kleinen Holzhaus und arbeitete bis zuletzt hoch zufrieden mit Holz. Als Erbstück blieb mir ein kleiner Schemmel (1947).

Ich erinnere mich an eine Wanderung mit meinem Opa, ca. 1951, als wir im tiefen Winter zusammen einen Wald ob Riggisberg Richtung Gurnigel besuchten, wo gerade Holzfäller am Werk waren. Er war recht still und murmelte nur immer etwas in seinen Bart. Ich fragte ihn, was hast Du? Da sagte er nur, «es tut weh zu sehen wie diese Männer ohne Kenntnisse die schönen Tannen fällen, sie liegen ja alle falsch und der Mond steht auch nicht richtig und es ist schon Februar».Auf dem Heimweg erklärte mir mein greiser Opa in einfachen Worten was er meinte.«Holz muss man im Dezember fällen wenn der Mond abnimmt». Erstmals in meinen Leben erklärte er mir wie das mit den Mondphasen so ist. Begriffen habe ich es wohl noch kaum. Ich wollte noch wissen warum die gefällten Tannen falsch liegen, denn unter liegen verstand ich im Bett sein. Seine Worte sind mir, warum auch immer, als Erinnerung an ihn geblieben. «Der Gipfel eines gefällten Baumes muss immer nach unten zeigen. So muss er einige Zeit liegen bleiben und erst dann darf man die Äste abhacken.» Warum? Kinder löchern bekanntlich die Vorfahren mit Fragen. «Bäume müssen im Wald ausbluten». Verstanden habe ich es erst viele Jahrzehnte später als ich in meinem eigenen und von mir gepflanzten Wald Bäume fällte und seine Ratschläge stets befolgte. Der Saft, das Blut oder einfach das Wasser zieht sich schnell in die nach unten hängenden Äste zurück und der Baum möchte noch einmal blühen. So trocknet der Stamm auf eine sehr natürliche Art schnell aus und ist für den Abtransport auf das Stammlager bereit. In der Sägerei meines Opas hatte es stets ein grosses Lager von entrindeten Stämmen die einige Jahre ruhen mussten, bevor sie zu Balken und Brettern gesägt wurden. Naturgetrocknetes Mondholz.

Zimmermannskunst hat in unserer Familie Tradition und das Projekt Microbella soll ihr folgen.

Walter Strahm


Paradiesli im Mossji

PS:

Die Homepage MOSSJI hat keinen kommerziellen Hintergrung.


 
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